Was ist Magic?

Magic: The Gathering - ein Spiel von Richard Garfield

Magic: The Gathering (kurz: Magic oder MTG, anfangs auf deutsch als Magic: Die Zusammenkunft vertrieben) ist ein 1993 bei Wizards of the Coast erschienenes Sammelkartenspiel von Richard Garfield. Es war das erste Spiel dieser Art.

Laut der offiziellen Datenbank Gatherer gibt es über 14.000 verschiedene Karten und nach Herstellerangaben 2013 über zwölf Millionen Spieler und Fans weltweit. Bis 2013 sind 15 Hauptsets und zahlreiche alleinstehende Editionen in mehreren Sprachen erschienen. Während die ersten Editionen ausschließlich auf Englisch erschienen, kamen mit der Zeit weitere Sprachen hinzu. 2013 wurden die Karten in elf Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch (Brasilianisch), Japanisch, Chinesisch (Kurzzeichen), Chinesisch (Langzeichen), Russisch und Koreanisch) gedruckt. Wizards of the Coast veranstaltet weltweit Turniere.


Geschichte des Spiels

Magic: The Gathering wurde von Richard Garfield als schnelles Spiel für zwischendurch konzipiert. Er richtete dabei sein Augenmerk besonders auf Rollenspieler und auf Studenten und Schüler, die zwischen zwei Vorlesungen ein wenig Ablenkung suchen. Das erklärt auch den Fantasy-Hintergrund des Spiels. Als Garfield 1992/93 sein Spiel Robo Rally der Firma Wizards of the Coast anbot, wurde er zurückgewiesen, da die Produktionskosten zu hoch seien. Wizards steckte in einer Krise und brauchte dringend ein günstig zu produzierendes Spiel mit hohen Erfolgsaussichten. Garfield bot Magic an und Wizards war begeistert. Mittlerweile ist Garfield Anteilseigner bei Wizards, welche sich aufgrund ihrer Erfolge mit verschiedenen Sammelkartenspielen sanieren konnten und inzwischen vom US-amerikanischen Spielekonzern Hasbro aufgekauft wurden. Magic wurde in Deutschland über viele Jahre unter anderen von Amigo und Pegasus Spiele vertrieben. Von September 2006 bis Ende 2010 übernahm dann Universal Cards den Vertrieb. Von Januar 2011 bis März 2012 lag der Vertrieb abermals bei Amigo. Seitdem ist wieder Pegasus Spiele für den Exklusiv-Vertrieb in Deutschland und Österreich verantwortlich.

Die Spielmechanismen

Hinweis: Dieser Artikel soll interessierten Laien einen Überblick über das Spiel geben und nicht das komplette Regelwerk auslegen. Deshalb können die folgenden Abschnitte einige Regeln generalisiert oder vereinfacht darstellen.


In Magic: The Gathering übernehmen zwei oder mehr Spieler die Rollen von sich duellierenden Zauberern, so genannten Planeswalkern (Weltenwanderer). Planeswalker besitzen die Fähigkeit durch die unterschiedlichen Welten des Multiversums zu reisen und damit die unterschiedlichsten Zauber zu lernen und Wesen aus allen anderen Welten zu treffen.

Wie in Sammelkartenspielen üblich, spielt jeder Spieler anfangs mit einem aus seinen eigenen Karten zusammengestellten Deck, das nicht mit dem des Gegners gemischt wird. Das Deck repräsentiert das Wissen des Zauberers darüber, welche Zauber er gegen seine Gegner einsetzen kann.

Die Spieler starten das Spiel mit einer zuvor festgelegten Anzahl an Lebenspunkten, klassischerweise 20, und sieben zufällig aus ihrem Deck gezogenen Karten. Ziel des Spiels ist es, den Gegner durch geschicktes Agieren zu besiegen. Die üblichste Strategie ist, die Lebenspunkte des Gegenspielers durch Angriffe mit Kreaturen auf Null oder weniger zu reduzieren. Allerdings gibt es auch alternative Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen.

Von zentraler Bedeutung in Magic-Partien ist die Verwaltung von Ressourcen. Das geschieht hauptsächlich durch Kartenauswahl eines Decks und geschickte Züge. Die wichtigsten Ressourcen eines Spielers sind die Handkarten sowie das Mana (magische Energie), welches benötigt wird, um diese Karten auszuspielen. In speziellen Decktypen können auch Kreaturen und Lebenspunkte als Ressourcen verwendet werden.

Die fünf Farben

Die Welt von Magic: The Gathering gliedert sich, ähnlich der mittelalterlichen Vorstellung der Vier-Elemente-Lehre in Elemente, die im Fall von Magic als fünf Farben dargestellt sind. Jedes Vorkommen und jedes Wesen in der Magic-Welt lässt sich in Zusammenhang mit diesen Farben charakterisieren. Jede Farbe symbolisiert bestimmte Philosophien, Spielweisen, Ansätze, aber auch Vorstellungen, wie ein Problem zu lösen ist. Die fünf Farben sind in dem so genannten Farbfünfeck angeordnet, in der die Farben in der Reihenfolge Weiß-Blau-Schwarz-Rot-Grün angeordnet sind. Dabei sind benachbarte Farben „befreundet“, das bedeutet, sie folgen verwandten Grundsätzen, gegenüberliegende Farben dagegen „verfeindet“. Im Spiel stellen sich diese Beziehungen oft durch Karten dar, die speziell auf eine „feindliche“ Farbe abzielen, indem sie zum Beispiel alle Länder des ihr zugeordneten Typs zerstören.

Die Farbe einer Karte wird von der Farbe des für sie benötigten Manas bestimmt. In den meisten Decks werden nur eine oder zwei Farben verwendet (oft auch eigentlich „verfeindete“ wie schwarz und weiß), seltener drei, vier oder alle fünf.

Die Kartentypen

Jede Magic-Karte gehört mindestens einer der folgenden Kartentypen an. Zu den meisten Kartentypen gibt es auch noch Untertypen, wobei eine einzelne Karte keinem, einem oder mehreren Untertypen angehören kann.

Karten vom Typ Hexerei oder Spontanzauber sind Karten mit einem einmaligen Effekt: Nach dem Ausspielen aus der Hand wird der Effekt durchgeführt und die Karte auf den Ablagestapel (Friedhof) gelegt. Alle anderen Karten sind bleibende Karten, die nach dem Ausspielen aus der Hand dauerhaft auf der Spielfläche bestehen bleiben und dann einen bleibenden Effekt haben.


  • Land
  • Kreatur
  • Verzauberung
  • Artefakt
  • Planeswalker
  • Hexerei
  • Spontanzauber

Der Spielablauf

Die Spieler haben jeweils abwechselnd (oder reihum bei mehreren Spielern) einen Zug. Mit Ausnahme des ersten Zuges im Spiel zieht der Spieler, der an der Reihe ist, zu Beginn seines Zuges eine Karte aus seiner Bibliothek. In seinem Zug kann ein Spieler jeweils maximal ein Land ausspielen. Länder sind die Standardquelle für Mana, welches man benötigt, um die Kosten der anderen Karten wie Hexereien, Kreaturen oder Artefakte zu bezahlen.

Während eines Zuges kann ein Spieler einmal mit einer Auswahl seiner Kreaturen andere Spieler oder deren Planeswalker angreifen. Die verteidigenden Spieler können ihrerseits mit ihren Kreaturen die angreifenden Kreaturen blocken. Die blockenden und geblockten Kreaturen fügen einander Schaden in Höhe ihres Angriffswertes zu, alle ungeblockten Angreifer dem verteidigenden Spieler bzw. seinen Planeswalkern. Alle Kreaturen, die mindestens so viel Schaden erhalten haben, wie ihr Widerstandswert beträgt, werden zerstört. Dieser Schaden wird jedoch nicht in den folgenden Zug übernommen.

Mit Ausnahme von Spontanzaubern können Karten nur während des eigenen Zuges, außerhalb des Kampfes ausgespielt werden. Dem gegenüber können Spontanzauber sowie Fähigkeiten von bereits im Spiel befindlichen Ländern, Kreaturen, Verzauberungen und Artefakten immer – also auch in den Zügen anderer Spieler – verwendet werden. Ausnahmen von diesen beiden Regeln müssen ausdrücklich im Text der entsprechenden Karte vermerkt sein.


Das Ausspielen der Karten

Wenn ein Spieler einen Zauberspruch ausspricht, haben die anderen Spieler reihum die Möglichkeit, darauf mit Spontanzaubern oder Fähigkeiten zu reagieren. Dabei werden die jeweils zuletzt gewirkten Zaubersprüche und Fähigkeiten nach dem Last-in-First-out-Prinzip zuerst abgearbeitet. Dadurch lassen sich beispielsweise Zaubersprüche neutralisieren oder Kreaturen verstärken, bevor sie Schaden erhalten.

Einige Regeln

Die Goldene Regel

Eine Besonderheit von Magic: The Gathering ist die sogenannte Goldene Regel (englisch: Golden Rule). Diese Regelung besagt, dass jede Regel durch Kartentexte modifiziert oder überschrieben werden kann. So werden starre Regelmechanismen aufgebrochen und eine Vielzahl an möglichen Strategien, Spielzügen und Spielfolgen entsteht.


Errata und Regelergänzungen

Aus der Goldenen Regel sowie dem ständig neuen Erscheinen von Magic-Karten ergibt sich die Situation, dass alte Regeln häufig nicht mehr ausreichen, um ein ausgewogenes Spiel zu gewährleisten. Daher werden nicht nur die Karten, sondern auch die Regeln ständig erweitert. Häufig geschieht dies zusammen mit neuen Editionen, wobei unter anderem neue Spielmechaniken regeltechnisch behandelt werden, sowie einige Monate nach dem Erscheinen neuer Editionen, wenn sich mögliche Regellücken offenbaren. Dies kann dann beispielsweise zum Bannen unausgewogener Karten, häufig auch aus älteren Editionen führen.

Gelegentlich werden auch alte Regeln verändert, häufig, um das Spielen einfacher und übersichtlicher zu machen.

Eine Änderung der Regeln bedeutet dabei nicht, dass die Regeln Vorrang vor den Kartentexten erhalten, sondern sie steckt vielmehr die Rahmenbedingungen ab, unter denen die Karten funktionieren. So kann eine Regeländerung, die den Ablauf eines Zuges verändert, dazu führen, dass bestehende Karten in dem veränderten Kontext nicht mehr die gewohnten Effekte haben. Beispielhaft seien diverse Änderungen im Rahmen der Veröffentlichung des Hauptsets Magic 2010 genannt.

Weitere Regelerweiterungen sind die sogenannten Errata, die für einzelne Karten veröffentlicht werden und Regelunklarheiten oder -neuerungen speziell für diese Karte erläutern.


Die Kosten

Karten

Wie viel Geld man für das Spiel ausgibt, ist letztendlich jedem Spieler selbst überlassen. Einzelne Booster sind ab einem Preis von etwa 3 Euro erhältlich, während Intro-Packs (beinhalten 90 Karten) ca. 10 Euro und Themendecks (beinhalten 60 Karten) 12,99 Euro kosten. Viele Spieler kaufen darüber hinaus jedoch auch gezielt einzelne Karten. Um mit dem Spielen anzufangen genügen 15 Euro.

Auf so genannten Limited-Turnieren spielt man nur mit Karten aus ungeöffneten Boostern, die man erst auf dem Turnier erhält, wodurch die Kosten kalkulierbar bleiben. Für so genannte Constructed-Turniere und natürlich das private Spiel (so genanntes casual play), wofür man sein Deck vorkonstruiert mitbringt, schwankt der Preis je nach Kosten der Einzelkarten, die man sich zusammenstellt. Hier ist der Preis im Wesentlichen von der Beschaffungsart der Karten abhängig (entweder man kauft Booster und baut seine Decks aus den vorhandenen Karten oder man plant Decks im Vorweg und kauft sich die nötigen Einzelkarten zusammen – auch eine Mischung beider Varianten ist durchaus verbreitet). Hinzu kommt in jedem Fall der größte Vorteil eines Sammelkartenspiels: Die Spieler können Karten untereinander tauschen, was für viele Spieler auch einen großen Reiz an Magic und anderen Sammelkartenspielen ausmacht.

Da Magic ein Sammelkartenspiel ist und es auch einmalige Karten gibt, besitzt niemand einen kompletten Satz Karten. Aus der Kombination zwischen Spielwert und Seltenheit, also Auflage, entsteht der Marktwert einer einzelnen Karte. Die derzeit teuerste turnierlegale Magic-Karte ist der Black Lotus.


Zubehör

Um die Karten während des Spiels vor Abnutzung zu schützen, benutzen die meisten Spieler durchsichtige Kartenhüllen. Zur Aufbewahrung von Karten werden spezielle Ordner verwendet. Diese Ordner wurden ursprünglich für Trading-Cards (beispielsweise Baseball-Karten) verwendet. Ganze Decks werden vielfach auch in so genannten Deckboxen aufbewahrt. Dabei handelt es sich um Schatullen, die an das Format der Karten angepasst sind.

Speziell für Sammler gibt es die graded cards. Dabei werden von Agenturen die Karten auf ihre Echtheit überprüft – und hinsichtlich ihres Erhaltungszustandes bewertet. „Gegraded“ wird von 0 bis 10 (= Bestzustand). Diese so zertifizierten Karten werden von diesen kommerziellen Gradern in eine feste Kunststoffhülle gesteckt, aus denen sie nur noch gewaltsam entfernt werden können. Graded cards lassen sich also nicht zu einem üblichen Kartendeck hinzufügen.